Interview Engineering-Projekt Rieter

10. September 2013

Im Jahr 2012 hat Celeroton ein Engineering-Projekt mit Rieter CZ realisiert. Dr. Jiri Sloupensky, Rieters Leiter des Projekts, erzählt über die Zusammenarbeit.


Celeroton
Guten Tag Herr Sloupensky, Sie arbeiten seit vielen Jahren bei Rieter in Usti nad Orlici (CZ). In welchem Bereich von Rieters Aktivitäten sind Sie tätig?


Dr. Sloupensky
Ich begann meine Karriere in der Entwicklung von Textilmaschinen im Jahr 1977 beim Forschungsinstitut in Usti nad Orlici, an dem die bahnbrechende Rotorspinntechnologie entwickelt wurde. Glücklicherweise hatte ich die Chance mit all den Entwicklern dieser Innovation zusammenzuarbeiten. Im Jahr 1992 stiess ich als Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung zu einem Unternehmen namens Elitex. 1994 wurde Elitex von Rieter übernommen, wodurch ich ein Teil der Rieter Gruppe wurde.
Seither bin ich für die Produktforschung verantwortlich. Die Aufgabe meines Teams ist es, neue technische Möglichkeiten zu finden, die für zukünftige Rieter-Produkte von Nutzen sein könnten. Wir testen diese Verfahren und bringen Sie auf den Status der laborgeprüften Technologien oder eines Prototyps. So bekommen diese Technologien die Möglichkeit in die Produktentwicklungsphase integriert zu werden.
Innerhalb von Rieter CZ bin ich weiter für die ganze Forschungs- und Entwicklungsabteilung verantwortlich, die zurzeit etwa 100 Mitarbeiter in den Bereichen mechanische Auslegung, Elektronik, Software und Textiltechnologie zählt.


In Ihrer Funktion als Stv. Leiter Produktforschung haben Sie im Jahr 2012 ein Engineering-Projekt in Zusammenarbeit mit Celeroton durchgeführt. Welches Problem wollten Sie von Celeroton gelöst bekommen? Können Sie unseren Lesern etwas darüber erzählen?

Während eines unserer Projekte haben wir einige neue Ideen im Bereich komplexer mechatronischer Lösungen getestet. Diese sollten uns eine bessere Kontrolle des produzierten Garns in einer von Rieters Maschinen ermöglichen. Im Verlaufe dieser Untersuchungen sahen wir uns mit dem Problem der sehr anspruchsvollen Regelung zweier kleiner Motoren mit unterschiedlichen Anforderungen an Drehmoment und Geschwindigkeit konfrontiert. Wechselnde Anforderungen während den verschiedenen Phasen des kontrollierten Prozesses haben unsere Aufgabe zusätzlich erschwert.


Und was konnte Celeroton schlussendlich zur Lösung beitragen?

Nachdem wir die Hardware (einen unserer Prüfstände) und eine Basis-Spezifikation an Celeroton übergeben hatten, spezifizierten deren Ingenieure die richtigen Motor-Typen und übernahmen Auslegung und Entwicklung des von uns benötigten Systems. Schlussendlich erhielten wir eine von einem bestehenden Celeroton-Produkt abgeleitete Steuerelektronik und ein Software-Paket, beide einsatzbereit für unsere internen Tests.


Betrachten wir das Projekt unter ökonomischen Gesichtspunkten. Wie könnten die Resultate die nächste Generation der Rieter-Produkte beeinflussen?

Es ist die gängige Praxis von Rieter, seine Partner sehr stark miteinzubinden. Wir nehmen ihre Bedürfnisse ernst und entwickeln zusammen Lösungen, die manchmal auch für Dritte von Wert sein könnten.
In diesem spezifischen Fall betraf das Projekt nur die Forschungsabteilung. Aus diesem Grund besteht (noch) kein klarer Plan für einen Markteintritt mit der entwickelten Lösung. Das ganze Projekt ist extrem komplex und Celerotons spezifische Aufgabe war nur ein kleiner Teil davon.

 

Können Sie uns erzählen, warum Sie für dieses Projekt gerade Celeroton als Partner gewählt haben und wie Sie überhaupt von uns erfahren haben?

Ich kenne Celeroton bereits seit 2008, als ich zusammen mit einigen Kollegen von Rieter Schweiz an die ETH Zürich eingeladen war. Bei Diskussionen über eine mögliche Zusammenarbeit im Bereich kleinster elektrischer Antriebssysteme traf ich Dr. Christof Zwyssig, einer der beiden Gründer von Celeroton, zum ersten Mal.
Im Jahr 2009 wurde Celeroton dann ein erster Auftrag erteilt. Wir baten Celeroton um eine Expertenmeinung zum Gesamt-Antriebskonzept einer neuen Rieter-Maschine mit Fokus auf dem Energieverbrauch und der Effizienz. Mit der Arbeit, die Celeroton geleistet hat, waren wir sehr zufrieden. Diese Maschine mit dem Namen J20 wurde übrigens im Jahr 2011 an der internationalen Textilausstellung in Barcelona erfolgreich dem Weltmarkt vorgestellt. Von da an waren wir bei jeder Gelegenheit gewillt, erneut mit Celeroton zusammenzuarbeiten.

 

Blicken wir einmal auf das eingangs erwähnte Projekt zurück. Was war für Sie speziell an der Art der Zusammenarbeit mit Celeroton und den Leistungen, die Rieter geboten wurden? Können Sie es weiterempfehlen?

Einen Punkt möchte ich hier besonders betonen: Es war für uns sehr einfach, den Mitarbeitern von Celeroton zu erklären, was wir genau brauchten, wie der Prozess funktionieren sollte und wo die kritischen Punkte lagen.
Wir wussten, dass unsere schriftlichen Spezifikationen noch nicht perfekt waren und während dem Projekt teilweise sogar mehrfach geändert wurden. Aus diesem Grund haben wir es umso mehr geschätzt, dass unser Partner verstand, dass wir uns erst in der Forschungsphase befanden und die Anforderungen zu Beginn des Projekts noch nicht bis ins letzte Detail definiert werden konnten.
Ein anderer bemerkenswerter Punkt war die direkte Kommunikation zwischen den involvierten Ingenieuren auf beiden Seiten. Diese haben trotz der beidseitigen Fremdsprache Englisch viel Zeit am Telefon verbracht um offene Punkte zu diskutieren.

Vielen Dank für Ihre Zeit und dieses Interview.

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Jiri SloupenskyDr. Jiri Sloupensky, Stv. Leiter Produktforschung, arbeitet seit vielen Jahren bei Rieter in Usti nad Orlici (CZ). In dieser Funktion sucht er zusammen mit seinen Kollegen nach vielversprechenden technischen Verfahren, die bei der Optimierung von Rieters künftigen Spinnmaschinen nützlich sein könnten.

 

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